Die Gründung und die ersten Jahre (1896–1914)
Der Schützenverein „Vivat“ Schwabhausen wurde am 25. November 1896 unter dem Namen „Zimmerstutzengesellschaft Schwabhausen“ gegründet und war von Beginn an Mitglied des Sportschützengaues Landsberg. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Bürgern aus Schwabhausen auch Schützen aus den Nachbarorten Geretshausen, Geltendorf und Ramsach.
In den ersten Vereinsausschuss wurden Josef Krötz als 1. Schützenmeister, Josef Finsterwalder als 2. Schützenmeister, Georg März als Kassier und Sebastian Sedlmair als Schriftführer gewählt. Bereits im Jahr 1901 wurde Herr Dr. Schlickenrieder als erstes Ehrenmitglied geführt. Der Verein zählte damals schon 17 Mitglieder. Bis zum Jahr 1907 stieg diese Zahl auf 45 an.
Ab dem Jahr 1914 wurden für Zimmerstutzen- und Gewehrschützen getrennte Schießabende durchgeführt.
Erster Weltkrieg und Wiederbeginn
Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges machten auch vor dem Vereinsleben nicht halt. Am 15. Dezember 1915 wurde der Schießbetrieb eingestellt.
Schon am 28. Oktober 1919 fanden sich elf Mitglieder zusammen, um den Schießbetrieb wieder aufzunehmen. Das Vereinsleben entwickelte sich rasch erneut positiv. Am 23. November 1921 wurde das 25-jährige Bestehen des Vereins in Form eines Strohschießens gefeiert.
Die Jahre zwischen den Weltkriegen
Im Vereinsprotokoll vom 12. November 1924 sind Jahresbeitrag und Eintrittsbeitrag mit jeweils einer Mark festgehalten. Nichtmitglieder bezahlten 50 Pfennig pro Schießen und jedes Mitglied trat dem Bayerischen Schützengau bei. Die folgenden Jahre waren geprägt von einem geordneten Vereinsleben und der Pflege der Schützentradition.
Der Zweite Weltkrieg
Mit einem letzten „Opferschießen“ am 18. März 1939 wurde der Schießbetrieb aufgrund der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges erneut eingestellt.
Neubeginn nach 1945
Nach dem Krieg gelang es den Schwabhauser Schützen, die Tradition wieder aufleben zu lassen. Am 26. Dezember 1950 nahmen 24 Teilnehmer an einem Eröffnungsschießen teil.
Geschossen wurde damals in der Gaststätte „Jakob“. Der Schießstand befand sich auf der Südseite der Gaststube. Die Zielscheiben waren in Holzkästen mit Kugelfang untergebracht, Treffer wurden noch von einem sogenannten „Zieler“ angezeigt. Bei einem Zehner konnte sogar eine Holzfigur sichtbar werden. Da die vorhandene Schießbahn keine zehn Meter Länge besaß, wurde später durch eine Öffnung in der Mauer bis in die Küche geschossen, um die erforderliche Distanz zu erreichen.
Mit dem stetigen Zuwachs an Schützen, insbesondere bei den Jugendlichen, entstanden schließlich vier Schießstände im Saal des Gasthauses. Leider gingen viele Aufzeichnungen aus dieser Zeit vermutlich bei einem Brand verloren, sodass nur wenige Unterlagen erhalten geblieben sind.
Die 1960er Jahre
Aus dem Jahr 1964 ist überliefert, dass die Vereinsmannschaft bei einem Pokalschießen in Hausen den zweiten Platz belegte.
Zum 70-jährigen Vereinsjubiläum veranstaltete der Verein 1966 ein großes Festschießen mit 165 Teilnehmern aus 14 Vereinen der Umgebung. Jubiläumsschützenkönig wurde Georg Aumüller.
Neue Heimat und Aufbruch (1970–1979)
Mit dem Abriss der Gaststätte Jakob verlor der Verein 1970 seine bisherige Heimat. Die Gemeinde stellte daraufhin die ehemalige Schule zur Verfügung. Nach entsprechenden Umbauten konnte der Schießbetrieb dort auf vier Ständen mit Scheibenzuganlage fortgeführt werden.
Das 75-jährige Vereinsjubiläum wurde 1971 mit einem vereinsinternen Schießen gefeiert. Die Festscheibe gewann Heinrich Goldeband. Im selben Jahr wurde der ehemalige 1. Schützenmeister Alois Haugg zum Ehrenschützenmeister ernannt.
Für Gesprächsstoff sorgte die Jahreshauptversammlung 1972. Aus den Reihen der jüngeren Mitglieder wurde beantragt, den Schießabend vom Samstag auf Freitag zu verlegen. Nachdem der Antrag abgelehnt worden war, erklärten acht Mitglieder ihren Austritt, von denen fünf später wieder in den Verein zurückkehrten.
Das Jahr 1973 stand ganz im Zeichen einer großen Festwoche. Gemeinsam mit dem Veteranen- und Kameradschaftsverein, der Pfarrgemeinde und dem Sportverein wurden mehrere Jubiläen gefeiert. In einem großen Festzelt mit 50 Schießständen beteiligten sich über 300 Schützen. Den Abschluss bildete ein Festzug durch Schwabhausen, an dem 68 Vereine und Musikkapellen teilnahmen.
Am 4. August 1976 fand die erste Mitgliederversammlung in der neuen Gaststätte „Zur Linde“ statt. Dort wurde beschlossen, den Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die offizielle Eintragung erfolgte im Februar 1978. Seitdem trägt der Verein den Namen „Vivat Schwabhausen e.V.“.
Bereits im Herbst 1977 war gemeinsam mit dem Sportverein, den Veteranen und der Jagdgenossenschaft ein Anbau an der Gastwirtschaft „Zur Linde“ entstanden. Im Untergeschoss fanden die Schützen ihr neues Zuhause. Der moderne Schießstand wurde mit acht automatischen Scheibenzuganlagen ausgestattet. Die feierliche Einweihung erfolgte im Juni 1978.
Im selben Jahr wurde im neuen Schützenheim das Verlorener-Bach-Schießen mit sieben Vereinen und 143 aktiven Schützen ausgetragen.
Fahnenweihe und Aufschwung (1980–1989)
Anlässlich des 85-jährigen Vereinsjubiläums beschloss die Generalversammlung 1979 die Anschaffung einer Vereinsfahne.
Vom 25. Juni bis zum 5. Juli 1981 feierte der Verein sein 85-jähriges Bestehen mit einem großen Gauschießen. Höhepunkt war die Fahnenweihe am 28. Juni. Die Patenschaft übernahm der Schützenverein Gemütlichkeit Eresing. Am Gauschießen beteiligten sich 1.056 Schützen.
In den folgenden Jahren erlebte der Verein unter dem langjährigen Schützenmeister Karl Reichert einen bemerkenswerten Aufschwung. Besonders viele Jugendliche fanden den Weg in den Verein. Leider musste der Verein 1983 auch den Tod seines ehemaligen Herbergsvaters Sebastian Jakob betrauern.
Seit 1983 besteht außerdem eine bis heute gepflegte Freundschaft mit den Schützen aus Schwabhausen bei Dachau.
1984 wurde Claudia Kraus Gauschützenkönigin. Im selben Jahr musste der Verein jedoch den plötzlichen Tod seines langjährigen Schützenmeisters Karl Reichert beklagen. Die Vereinsführung übernahm anschließend Albert Lechner.
Zum 90-jährigen Bestehen veranstaltete der Verein 1986 erneut ein Festschießen mit 315 Teilnehmern aus 19 Vereinen. Im gleichen Jahr wurde erstmals ein Schwabhauser Volksbiathlon durchgeführt, der in den folgenden Jahren mehrfach wiederholt wurde.
Das Jahrhundertjubiläum (1990–1999)
1990 errangen die Vivat-Schützen beim Verlorener-Bach-Schießen den begehrten Wanderpokal. Im selben Jahr stellte der Verein mit Franz Riedelsheimer erstmals den Gauschützenkönig.
Die Zahl der aktiven Pistolenschützen nahm in den folgenden Jahren kontinuierlich zu. Deshalb wurde 1991 eine eigene Königskette für die Pistolenschützen angeschafft. 1992 errang mit Claudia Kraus erstmals eine Frau die Königswürde bei den Gewehrschützen.
Die Jahre 1994 bis 1996 standen ganz im Zeichen der Vorbereitungen auf das 100-jährige Vereinsjubiläum. Am 11. Mai 1996 eröffnete Bürgermeister Josef Schmelcher gemeinsam mit Gauschützenmeister Lothar Poppinger das 42. Gauschießen des Schützengaues Landsberg. Auf 80 Schießständen nahmen über 1.200 Schützen teil.
Zu den Höhepunkten gehörten das erstmals durchgeführte Bambinischießen, der Auftritt der Spider Murphy Gang sowie der große Festzug mit über 3.000 Teilnehmern aus mehr als 90 Vereinen. Das Jubiläum zählt bis heute zu den bedeutendsten Ereignissen der Vereinsgeschichte.
Neues Jahrtausend und Neuausrichtung
Die folgenden Jahre verliefen ruhiger. Wie viele Vereine hatte auch Vivat Schwabhausen mit rückläufigen Mitgliederzahlen und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ehrenämtern zu kämpfen.
Einen wichtigen Wendepunkt brachte das Jahr 2005. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde mit Andrea Eule eine Frau zur 1. Schützenmeisterin gewählt. Unter ihrer Führung wurden zahlreiche Projekte angestoßen.
In den Jahren 2007 und 2008 erlebte der Verein einen deutlichen Aufschwung. Der Schießabend am Freitag wurde zu einem festen Treffpunkt vieler Mitglieder. Nach zweijähriger Planungs- und Umbauphase konnte 2008 das modernisierte Schützenheim feierlich eingeweiht werden.
Jugendarbeit und sportlicher Erfolg
Mit der Anschaffung von zwei Lichtgewehren und einer Lichtpistole begann 2009 ein neuer Schwerpunkt in der Jugendarbeit. Bereits im ersten Jahr trainierten neun Kinder regelmäßig mit den neuen Sportgeräten.
Großen Anteil an dieser Entwicklung hatte die Verstärkung des Trainerteams durch den lizenzierten Jugendtrainer Andreas Lisker. Die Erfolge der Jugend- und Erwachsenenmannschaften in den Rundenwettkämpfen ließen nicht lange auf sich warten.
2011 wurde das Feldkreuz in Schwabhausen durch das Engagement zahlreicher Helfer vollständig erneuert und im Juli feierlich gesegnet. In der Saison 2012/2013 kehrten die historischen Zimmerstutzen nach längerer Pause wieder in den aktiven Vereinsbetrieb zurück.
Bei der Jahreshauptversammlung 2015 wurde die Vorstandschaft bestätigt und durch jüngere Mitglieder verstärkt. Im selben Jahr richtete der Verein erfolgreich das Verlorener-Bach-Schießen aus.
Am 9. Januar 2016 endete die Amtszeit von Andrea Eule. Zu ihrem Nachfolger wurde Stefan Gatzen gewählt. Unter seiner Führung wurden neue Ideen umgesetzt. Neben Schießspielen am Schießabend etablierte sich auch die Disziplin Blasrohrschießen.
Besonders erfolgreich entwickelte sich die Jugendarbeit. Die Nachwuchsmannschaften erzielten hervorragende Ergebnisse in den Rundenwettkämpfen und sorgten dafür, dass der Verein auch sportlich weiterhin erfolgreich blieb.
Tradition und Zukunft
Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die umfassende Modernisierung der Schießanlage. Die bisherigen Scheibenzuganlagen wurden durch moderne elektronische Schießstände der Firma DISAG ersetzt. Nach umfangreichen Umbau- und Modernisierungsarbeiten konnte die erneuerte Anlage im Rahmen des 130-jährigen Vereinsjubiläums am 18. Januar feierlich wiedereröffnet werden. Damit verbindet der Verein seine traditionsreiche Geschichte mit modernster Technik und schafft beste Voraussetzungen für die kommenden Generationen von Sportschützen.

